Doch 1:0 für Özil und Gündogan? Zwei von Drei Deutsch-Türken wählen Erdogan

Doch 1:0 für Özil und Gündogan? Zwei von Drei Deutsch-Türken wählen Erdogan

Doch 1:0 für Özil und Gündogan? Zwei von Drei Deutsch-Türken wählen Erdogan

Der Mediendienst Integration hat in diesen Tagen zum Panel über die bevorstehenden Wahlen in der Türkei am 24. Juni geladen. Fazit: Die Integration eines grossen Teils türkei-stämmiger Deutscher hat auch nach über einem halben Jahrhundert nicht stattgefunden. Jedenfalls nicht durchgehend und nicht so, dass sich Deutschland dabei einer (späten) Willkommenskultur rühmen könnte.

Bei den Wahlen in der Türkei am 24. Juni besteht erneut die Sorge, türkisch-stämmige Bürger 
könnten wiederum mehrheitlich für Präsident Erdogan und seine AKP-Partei abstimmen, und womöglich innertürkische Konflikte auf deutschem Boden austragen. Letzteres ist aufgrund der eingeschränkten Redefreiheit für türkische Politiker in Deutschland seit dem letzten Wahlkampf weniger wahrscheinlich als vor Jahresfrist. Dennoch bleiben v.a. die sozialen Medien ein für viele Deutsche unsichtbares Schlachtfeld in dieser Auseinandersetzung.

Osman Okkan, Sprecher des KulturForums TürkeiDeutschland und Medienmacher in Köln, sieht nicht nur die Gefühlswelten türkisch-deutscher Mitbürger in Deutschland von vielen Deutschen nach wie vor unverstanden. 
Für ihn stehen die beiden deutschen WM-Fußballer mit türkischen Wurzeln bzw. Pass, Mesut Özil und Ilkay Gündogan, mit ihrem verpatzten Foto an der Seite des türkiscshen Präsidenten R.T. Erdogan in vieler Hinischt emblematisch für die Mißverständnisse zwischen Deutschen und Deutschen mit multi-indetitärem Hintergrund.

Osman Okkan, KulturForum TürkeiDeutschland

 

 

Prof. Haci-Halil Uslucan, Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen, erklärt dies mit einem Paradox der Integration. In Deutschland geboren zu sein, mit einem säkularen Umfeld und mit dem deutscheh Bildungswesen mache junge Deutsch-Türken nicht automatisch resistent gegenüber Versuchungen à la Erdogan und vor Kritik gegenüber dem deutschen Staat und seiner Ordnung. Vielmehr fordere die junge deutsch-türkische Generation viel stärker als ihre Eltern die Einhaltung des Gleicheitsgrundsatzes auf allen Ebenen ein. Bliebe dies aus, wendet man sich vom (politischen) Deutschland immer wieder auch ab. Und zwar besondern dann, wenn subjektiv der Eindruck bestehe, es ginge nicht nach dem Motto: was Sebastian zusteht, steht auch Mehmet zu. Umkehrt gehört es ebenso zum Alltag der türkisch-stämmiger Deutscher grün zu wählen in Deutschland und in der Türkei für die AKP.

 

 

Beim Thema Islam sieht der Forscher Uslucan Erdogan und die AKP „1:0 in Führung“. Der Grund: die AKP könne über Moscheen nicht nur über die DITIB den grössten Teil der treuen Moschee-Besucher erreichen und beeinflussen.

 

 

Sarap Güler, Staatssekretärin für Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, ist ein Beispiel dafür, wie normal Integration in vielen Fällen längst geworden ist. Die CDU-Politikerin folgert aus der besonderen Beobachtung, unter der u.a. DITIB von deutscher Seite steht:

Dies wiederum, d.h. die Beeinflussung türkisch-stämmiger Wähler in Deutschland, fällt umso einfacher
 als viele Türkein in Deutschland Medien konsumieren, die der AKP nahestehen und vom Erdogan-Lager kontrolliert werden. Osman Okkan, KulturForum TürkeiDeutschland

 

 

Wo Information nicht objektiv ist, kann es das Wählerurteil oft nur bedingt sein.
 Im Kontext zunehmender Populismenn europa- wie weltweit scheint grundsätzlich das vom Abwägen verschiedener Argumente geprägte Wahl-Urteil ein abnehmendes Phänomen unter den Menschen zu sein, so Haci-Halil Uslucan von der Uni Duisburg-Essen:

 

 

Sarap Güler, die Staatssekretärin für Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, kommt gerade aus der Türkei zurück. Sie sieht eine wachsende Angst vieler Menschen in der Türkei, überhaupt noch offen und ohne Sorge vor Einschüchterung über Politik zu sprechen. Zugleich gibt es bei ihr die Hoffnung auf eine Art Aufstand der Anständigen bei dieser Wahl und einem Zusammenschluss der zerstrittenen Gegner Erdogans für eine Mehrheit jenseits der AKP.

 

Ist streng besehen also NICHTS GUT AN DER INTEGRATION der Türken in den letzten 3 Generationen? Fest steht: ohne den erneuten, kritischen Blick auf Fehler und Versagen, auf Konsequenzen und Folgen aus 50 Jahren schief gelaufener Integration gegenüber den sog. Gastarbeitern und der Generation ihrer Kinder wird Deutschland weiter mit  vielen Klötzen am Bein leben.Das Wahlergebnis am 24. Juni in der Türkei und die über 3 Millionen Menschen zählende Gruppe der Deutsch-Türken bestimmt in jedem Fall auch die Debatte über die Integration neuer Flüchtlinge von 2015 ff. in Deutschland nachhaltig mit.