Finding Afghanistan at Deutschlandfunk Cologne

Finding Afghanistan

Finding Afghanistan (see pageflow here) is a selection of my work from 2004-2014, with a focus on urban Afghanistan, mostly Kabul and the major Afghan cities. It combines the photographic work with some of my audio work and documentary features produced for Deutschlandfunk and German ARD Radio Broadcasting Services along the years of my reporting in Afghanistan. The exhibition can be seen in the lobby of Deutschladfunk is on exhibition from Mai 16th up to end of July 2015.

Finding Afghanistan | DLF Cologne (link)

Finding Afghanistan | DLF Cologne (link)

Finding Afghanistan | DLF Cologne (link)

Preface

We thought we were done with these things but we were wrong.
We thought, because we had power, we had wisdom.
We thought the long train would run to the end of Time.
Now the long train stands derailed and the bandits loot it.
Now the boar and the asp have power in our time.
Now the night rolls back on the west and the night is solid.
                                     Stephen V. Benét, Litany for Dictatorships

Ob wir es wollen oder nicht – Afghanistan ist inzwischen Teil der deutschen Gegenwartsgeschichte geworden. Genau hundert Jahre nachdem das deutsche Kaiserreich versuchte, mit Plänen des Kölner Bankierssohns Max von Oppenheim, einen von den Deutschen angeführten islamischen Dschihad zwischen Nahost, Hindukusch und Indus zu entfachen, sind Geopolitik und Hybris unverändert ein Thema. Die Intervention in Afghanistan steht in mehrfacher Hinsicht für einen Einsatz ohne klares Ziel und Strategie, mit ungelösten Fragen, für die keine Lösungen in Sicht sind.
Viele Truppen sind seitdem am Hindukusch gelandet. Neben Militärs vor allem Heerscharen gewinnorientierter Berater, entwicklungspolitisches Fußvolk und zahlreiche Medien. Viel ist geschrieben worden. Selten vor Ort und in Kenntnis der Situation der betroffenen Menschen und Akteure. Weil es wenige Korrespondenten in diesem Krieg gibt, die ständig vor Ort sind, dafür aber umso mehr Reporter, die in kurzen militärischen embeds von Presseoffizieren gefüttert werden, ermöglichen im besten Fall unabhängige Autoren einen erweiterten Blick. Von Anfang an war mir deshalb wichtig, diesen Krieg auch hinter den oft irreführenden Schlagzeilen zu dokumentieren, mit seinem weitgehend unbekannten Alltag und seinen Extremen.
Beklemmendes wie Groteskes begegnet einem dabei. Der käfigartige Eingang des deutschen Militärlagers in Kunduz (seit Ende 2013 übergeben) gehört dazu. Oder die Holzwaffen, mit denen afghanische Rekruten von ausländischen Trainern ausgebildet werden. Holzwaffen, weil das Vertrauen zwischen fremden und einheimischen Soldaten jedes Jahr mehr gelitten hat. Ein Grund, warum der neue Staat es schwer hat, Fuß zu fassen.
Umso überraschender ist die Entwicklung im städtischen Leben, das im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht. Bewußt auch als Kontrast zu den bekannten Topoi von Land und Menschen. Auffällig dabei ist, wie bewundernswert die überwiegend junge Bevölkerung den Umgang mit täglichem Mangel und Terror meistert. Und obwohl wir viel von Flucht und Migration hören, dominieren unverändert der Wunsch und die Anstrengung, etwas vor Ort aufzubauen und anzukommen in der globalen Welt. iPhones und Tabletts, klimatisierte Supermärkte oder auch Skateboards sind Zeugen dieser rasanten Zeitenwende.
Einige dieser Accessoires stehen zugleich für einen „conflict chic“. Dabei vermengen sich Wunsch-Agenden der intervenierenden Akteure – von Militärs über NGOs bis zu den Machern der Documenta – mit Traditionen und mit den Vorstellungen der Afghanen, teilzuhaben am Fortschritt. Für US-Amerikaner und Europäer sind diese Accessoires Beleg ihrer vermeintlichen Erfolge. In der Realität zeigen sie vielmehr ein verzerrtes Spiegelbild. So wird im öffentlichen Diskurs dieser Konflikt bis heute immer wieder auf fragwürdige Weise instrumentalisiert.
Wo Kapital und Märkte sich neue Symbole suchen, verändern sich zugleich Werte und Moral. Vor allem junge Männer und Frauen sind dabei hin- und hergeworfen zwischen heimischer Identität und westlichen Lebensvorstellungen. Konflikte mit der Generation der Eltern sind zahlreich. Und mir wird ins Notizbuch diktiert: „Hört auf, uns zu bemitleiden“. Was wird von diesem neuen Afghanistan fortleben, frage auch ich mich? Von den Geistern, die wir gerufen haben? Die Modernisierung, die auf diesen Bildern sichtbar wird, ist auch Kampfansage der Menschen an Taliban und ungestraft agierende, gewendete Warlords, die aus unseren Steuer- und Hilfsgeldern gefüttert werden.
Dieses widersprüchliche Afghanistan auszuhalten und zu bebildern ist deshalb eine reizvollle Aufgabe, auch weil es zur Selbstreflexion zwingt. Die Auseinandersetzung mit dem Anderen hilft, unseren eigenen Standpunkt klarer zu erkennen. Sie erlaubt Positionen des Westens zu hinterfragen, Stereotypen zu erkennen und Vorurteile abzubauen. Dabei wird erkennbar, dass die internationale Afghanistan-Fotografie und ihre Rezeption einer Neubewertung bedarf. Neue Erzählformen können alte Narrative ersetzen.
Man tut aus diesen Gründen gut daran, Schlagzeilen aus Afghanistan mit einer gesunden Skepsis zu
begegnen. Oft fehlen die Stimmem der Betroffenen in diesem Konflikt. Sich mit der Realität und den Lebenswelten dieser Menschen auseinanderzusetzen bleibt folglich eine spannende Herausforderung. Dazu möchte diese Ausstellung einladen. Der Dialog mit diesem Kapitel deutscher Geschichte und Gegenwart hat insofern gerade erst begonnen.

„Der einzige Ausweg wär aus diesem Ungemach:
Sie selber dächten auf der Stelle nach
Auf welche Weis dem guten Menschen man
Zu einem guten Ende helfen kann.
Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss!
Es muss ein guter sein, muss, muss, muss!“

                 Bertolt Brecht, Der gute Mensch von Sezuan

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