Leo! Vatikan im Visier der Tech-Eliten
Papst Leo ist ein Jahr im Amt. Das Kräftemessen mit US-Präsident Trump verhüllt, dass in Wahrheit Tech-Imperien aus dem Sillicon Valley nicht nur den Vatikan sondern Freiheiten und unsere Ordnung angreifen, so wie wir sie bisher kannten, wie ich in meinem aktuellen Essay für Deutschlandfunk Kultur erzähle,
https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-vatikan-im-visier-der-tech-eliten-102.html
Pope Leo has been in office for a year. His spat with US President Trump obscures the fact that, in reality,
tech empires from Silicon Valley are attacking not only the Vatican
but also the freedoms and social order as we have known them, as I describe in my new essay for Deutschlandfunk Kultur (link above, in German):
Textversion:
Im Jahr 2025 – Leo XIV. ist noch nicht Papst – eskaliert das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten.
US-Vizepräsident Vance erklärt provokant, ICE setze den augustinischen Begriff des „ordo amoris“ um. Diese klerikale Idee von der „Ordnung der Liebe“ setzt Gott an die erste Stelle für ein ethisches Leben. Damit recycelt Vance einen frühzeitlichen Theologiebegriff, um „America First“ religiös zu verpacken — (was in aufgeklärten Kirchenkreisen auf Widerspruch stößt.) Der heutige Papst, damals noch Kardinal, kommentiert öffentlich: Vance irrt.
Wenig später erscheint Vance in Rom und besucht Papst Franziskus. Der im Sterben Liegende schenkt Vances Kindern zum Abschied ein Schokoladenostereier sowie Rosenkränze. Eine Provokation, finden Kritiker in Washington. Wenig später reist Präsident Trump zur Beerdigung des Papstes an. Er trägt einen Anzug in leuchtendem Blau. Ebenfalls eine Provokation. Bei Papstbegräbnissen ist – laut Protokoll – striktes schwarz vorgesehen.
Im Mai 2025 wird Kardinal Robert Francis Prevost zum Papst Leo XIV. gewählt. Die erste Begegnung mit Vance ist höflich, doch Papst Leo zeigt sich unbeugsam, gestützt von der Haltung US-amerikanischer Bischöfe, die die Brutalität der ICE-Behörde ablehnen und Trumps Friedensrat für Nahost und Gaza kritisieren. Doch das Trump-Lager gibt nicht klein bei.
Tatsächlich bemühen sich Teile des sogenannten MACA-Lagers, kurz für ‚Make America Christian Again‘, schon länger um eine theologische Wende in der westlichen Hemisphäre. (Das kann Rom nicht gleichgültig sein.)
Neben Vance ist der Tech-Milliardär Peter Thiel, Mitbegründer von Palantir und PayPal, ein Vorreiter in der Sache.
Als einer der reichsten Männer der Welt hat Thiel den Wahlkampf von Donald Trump mitfinanziert und die polit ische Karriere von J.D. Vance maßgeblich befördert.)Thiel gilt in Fachkreisen als Chefideologe, der den aktuellen Katholizismus für zu links-liberal hält. Das universalistische Weltbild Roms, ein gläubiger Pazifismus sowie die päpstliche Haltung zum Klima- und Artenschutz stehen Thiels technokratischer Agenda diametral entgegen.
Mitte März hielt Thiel in Rom vor geladenen Gästen aus dem konservativ-katholischen Milieu eine Reihe vertraulicher Seminare über religiöse und apokalyptische Themen. Als Fürsprecher der digitale Eliten aus dem Silicon Valley der Versuch einen direkten Draht zum Papst bekommen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Der Einfluss von Thiel auf Religion und Politik scheint kein Zufall, liest man seine Biografie.
Thiel, Teil der sogenannten „PayPal-Mafia“, verkauft nicht einfach Produkte: Seine Dienstleistungen definieren seit Jahren unsere Arbeitswelt neu, unsere Sicherheit und den sozialen Umgang von Menschen miteinander. Sein erklärtes Ziel ist die Schaffung von Monopolen anstelle eines offenen Wettbewerbs wie wir ihn bisher kennen. Eine Ordnung, die auf Datenkontrolle, algorithmischer Vorhersage und der technokratischen Steuerung der Massen basiert.
Andere Erfinder aus Thiels Dunstkreis leisten Schützenhilfe: Facebook virtualisiert menschliche Beziehungen. LinkedIn strukturiert die Berufswelt neu. YouTube popularisiert die Videowelt für Alt und Jung.) Und Palantir, Thiels Marke, führt Datenanalyse in Geheimdienst- und Militärapparaten ein. Individuelle Freiheiten erscheinen in dieser Welt nur noch als schein-demokratische Angebote.
In den USA expandiert so eine christlich-radikale Ideologie, die immer stärker den Konflikt mit dem Vatikan sucht, Trumps messianischem Selbstbild den Weg ebnet und das Papsttum gezielt herausfordert. Jeder dieser Versuche ist theologisch aufgeladen und weit mehr als ein Social-Media-Gag. Es handelt sich eher um eine moderne Form der Häresie.
Solche Interventionen haben das Potenzial, Europa und den Vatikan gleichermaßen zu schwächen. Es erscheint daher durchaus möglich, dass sich künftige politische Allianzen um Papst Leo XIV. bilden – auch von Stimmen, die bisher nicht zu ihm hielten. Neue Kapitel in der Auseinandersetzung zwischen dem Trump-Lager und dem Vatikan wären jedenfalls keine Überraschung.