Quarter Century Sines FMM 2025: World music meets global pop

Musicas do Mundo Sines 2025 war historisch: die 25. Ausgabe, ein Vierteljahrhundert großes Weltmusik-Festival, Zeugnis eines deutlich positionierten Kulturraums zwischen Atlantik und dem Anspruch musikalische Vielfalt mit politischer globaler Haltung zu verknüpfen.

Rahmen und Charakter

Das FMM 2025 fand vom 18. bis 26. Juli statt, zuerst in Porto Covo und dann in Sines, mit 48 Konzerten an neun Tagen und Künstlern aus 35 Ländern. Die Veranstalter betonten das Motto „Music with a spirit of adventure“, also eine programmatische Offenheit für Begegnung, Reibung und Entdeckung.

Gerade in dieser Jubiläumsausgabe zeigte sich aber auch die Widersprüchlichkeit des Formats: Das Festival lebt von Internationalität und politischem Anspruch, bleibt zugleich stark von kommunaler Organisation getragen und ist auf lokale Infrastruktur, touristische Wirkung und symbolische Öffentlichkeit angewiesen. Der Bürgermeister sprach selbst von einem Festival mit eigener Identität und von „unity among peoples“ als notwendiger Gegenstimme zu Intoleranz in einer angespannten Weltlage.

Die großen Namen

Zu den klaren Höhepunkten zählten Youssou N’Dour, Julieta Venegas, Rokia Traoré, Orchestra Baobab, The Mystery of the Bulgarian Voices und das geplante Tributkonzert für Max Romeo. Diese Namen markieren ziemlich gut das Spannungsfeld des Festivals: afrikanische Großtraditionen, lateinamerikanische Songkultur, choral geprägte Klangästhetik und karibischer Reggae als politische Musikform.

Youssou N’Dour war dabei einer der prominentesten Anker des Programms und stand sinnbildlich für die senegalesische Präsenz, die das Festival seit Jahren prägt. Auch Orchestra Baobab und Rokia Traoré gehörten zu den international am stärksten beachteten Auftritten dieser Ausgabe.

Wichtige Acts

Neben den Topnamen fiel die Breite des Programms auf: aus Portugal kamen unter anderem Ana Lua Caiano, Bateu Matou, Capicua, Lena d’Água und Miss Universe; aus dem portugiesischsprachigen Raum außerdem Bia Ferreira, Luca Argel, Nação Zumbi, Bonga, Fidju Kitxhora, Fidjus Codé di Dona, Fábio Ramos, Roberto Chitsonzo und Umafricana. Diese Mischung machte sichtbar, dass das Festival nicht nur „Weltmusik“ im engen Sinn zeigt, sondern auch politische Pop-, Rap-, Afro- und Hybridformen aus dem lusophonen Raum.

Ebenfalls wichtig waren Künstler wie Julieta Venegas, die dem Festival eine andere, stärker songwriterische und lateinamerikanische Energie gaben, sowie The Mystery of the Bulgarian Voices, die die immanente Qualität des Programms jenseits von Trendlogik unterstrichen. Das Festival setzte außerdem auf Neuentdeckungen und erstmals vertretene Szenen aus Bolivien, Gabun, Guatemala, Jordanien, Java und Somaliland.

Gaza und Palästina

Der politische Schwerpunkt auf Palästina war 2025 nicht bloß ein Randthema, sondern sichtbar in der Programmlogik selbst. Mehrere Quellen nennen die Beteiligung palästinensischer Künstler wie 47Soul, DAM, Haya Zaatry und Tamer Nafar beziehungsweise Tamer Nagar, und die Festivalkommunikation betonte ausdrücklich Solidarität mit Palästina und seinen Künstlern.

Besonders deutlich wurde das in Porto Covo, wo laut Festivalhinweisen ein Beitrag mit Bashar Murad vorgesehen war beziehungsweise seine Ankündigung durch Tamer Nafar ersetzt wurde. Damit wurde Palästina nicht nur als geografischer Bezug, sondern als kulturelle und politische Gegenwart im Festival verankert.

Solidarität am Rand

Am Rande des Festivals bekam diese Haltung zusätzlich eine aktivistische Form. Ein zentrales Signal war die Ausstellung bzw. der Solidaritätskontext „Arte Pela Palestina“, dessen Eröffnung als Teil der Festivalprogrammatik kommuniziert wurde. Dadurch ging es nicht nur um symbolische Nennung, sondern um konkrete Sichtbarkeit, kulturelle Vernetzung und offenbar auch um Fundraising- oder Unterstützungsformate.

Insgesamt wirkte die Palästina-Solidarität beim FMM 2025 nicht wie ein nachträgliches Statement, sondern wie ein bewusst eingebautes Element der Ausgabe. Gerade in einem Festival, das sich „Begegnung“ und „Entdeckung“ auf die Fahnen schreibt, war das konsequent – zugleich aber auch ein politisches Risiko, weil solche Positionierungen in Kulturveranstaltungen schnell zwischen moralischem Anspruch und diplomatischer Vorsicht geraten.

Kritische Einordnung

Kritisch betrachtet war das Festival stark in seiner humanistischen Selbstbeschreibung, aber gerade darin auch angreifbar: Eine Veranstaltung mit globalem Anspruch kann Solidarität nicht nur dekorativ zeigen, sondern muss sie glaubwürdig in Kuratierung, Kommunikation und Kontextarbeit übersetzen. Beim FMM 2025 scheint das im Fall Palästina weitgehend gelungen zu sein, weil die Solidarität sichtbar, musikalisch und organisatorisch eingebettet war.

Gleichzeitig bleibt die Frage, wie tief diese Haltung über den symbolischen Rahmen hinausreicht. Ein Festival kann eine Bühne für Stimmen aus Konfliktregionen sein, aber es löst dadurch keine Konflikte; seine Stärke liegt eher darin, Öffentlichkeit zu schaffen und kulturelle Deutungshoheit nicht allein nationalen oder marktgetriebenen Logiken zu überlassen. Genau darin lag 2025 die eigentliche Relevanz des FMM in Sines.

Ausblick

2026 kann kommen: vor allem Nordeuropa kann von der Festivalkultur dieses kleinen aber wirtschaftlich potenten Festivalorts lernen. Widersprüche sind nicht zufällig an diesem Petro-Standort, der jetzt auch ein digitales Hub für ganz Europa geworden ist. Das FMM Sines 2025 war ein stark besetztes, international offenes und politisch aufgeladenes Festival mit klaren künstlerischen Höhepunkten. Youssou N’Dour, Julieta Venegas, Rokia Traoré, Orchestra Baobab und die palästinensischen Beiträge gaben der Ausgabe Profil, während die Solidarität mit Gaza und Palästina das Festival in eine größere moralische und kulturpolitische Gegenwart stellte.


Fotos: (Martin Gerner)
Festivalpublikum bei der Abendsession im Kastell von Sines
Festivalpublikum außerhalb der Kastellmauern – ein zweites Festival im Festival
Die Namen der im aktuellen Nahostkrieg Getöteten liefen bei einem der Acts über die Leinwand
Nuno Mascarenhas, Bürgermeister der Stadt Sines, Nuno Mascarenhas