Memento Moria. Fotoausstellung 7.10.- 6.11. Göppingen

Memento Moria. Fotoausstellung 7.10.- 6.11. Göppingen

Memento Moria. Fotoausstellung 7.10.- 6.11. Göppingen

Mittwoch 7. Okt. Vernissage meiner Ausstellung MEMENTO MORIA
Ort: Göppingen, Stadtkirche, Schlossplatz

Ausstellungsdauer bis 6.11.2020.
Die Ausstellung ist täglich von 9:00 – 17:00 Uhr geöffnet
Vernissage: 
07. Oktober 2020 19:00 Uhr
Finissage: 
6. November 2020 mit Fachtag Zusammen WEITERleben vom Forum Flucht und Integration
Veranstalter: 
Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Göppingen, Diakonisches Werk Göppingen, Caritas-Zentrum Göppingen. In Kooperation mit: 
Kreis Göppingen nazifrei, Amnesty International Göppingen. 
Eine Veranstaltung i.R. der Göppinger Interkulturellen Wochen 2020

Zur Ausstellung erscheint ein kleiner Katalog, der über die Veranstalter oder über mich erhältlich ist. Darin auch mein Vorwort  hier. Die Ausstellung steht ab Mitte November frei für andere deutsche Städte und interessierte Veranstalter.

Der Großbrand im Flüchtlingslager Moria am 9. September 2020 hat, was wenig bekannt ist, ganze Buchbestände vernichtet. Hatten die Menschen Zeit zu lesen, in all ihrer Not? Zuletzt gab es in Moria mehr als ein halbes Dutzend Schulen, von Flüchtlingen für Flüchtlinge gebaut. Die Wave of Hope Schule, in der ich unterrichtet habe war so ein fragiles Gebilde aus dünnen Holzlatten, notdürftig mit Stoff bezogen. Bereit, vom nächsten Sturm hinweggefegt zu werden. Das der Sturm aus Feuer sein würde, haben die Wenigsten geahnt. Eine Katastrophe mit Ankündigung.
Die Wave of Hope Schule war einer der wenigen Lichtblicke in einem Meer aus Elend. Sie stand für kleine erkämpfte Räume inmitten täglicher Entrechtung. Die Schulen waren Mittel gegen Gewalt und tägliche Entwürdigung. Jungen und Mädchen, Männer und Frauen lernten hier Deutsch, Englisch, Französisch. Im Gesicht die Zuversicht, irgendwann weg zu kommen von diesem Ort des Schreckens.
Im neuen Lager Kara Tepe erleben die Menschen ihr nächstes Trauma: „Das neue Lager ist noch inhumaner als es Moria war“, klagt Abdul, ein junger Afghane, bei meinem Besuch vor wenigen Tagen. „Wir leben auf einem nacktem Felsen. Keine Bäume, kein Holz zum Heizen. Dem Wind und Salz der See ausgesetzt, die direkt in die Zelte wehen. Feuchtigkeit, die in jede Pore kriecht, sobald die Sonne vergeht. Zur Zeit bekommen wir nur einmal Essen am Tag, um 16 Uhr in der Hitze. Man teilt uns Frühstück, Mittag und Abend in einer Ladung aus, für die wir Stunden anstehen. Die Zelte haben keinen Untersatz. Wir schlafen, bis auf eine dünne Schicht, auf dem nackten Boden. Paletten, um die Feuchtigkeit fernzuhalten, dürfen wir nicht nutzen. Die Behörden fürchten einen erneuten Brand“.
In Moria, sagen Politiker der Regierung Merkel, wurden die Menschen wie Verbrecher behandelt. Im neuen Lager Kara Tepe hat sich daran wenig geändert. Deutschland und Europa trifft eine Mitschuld an diesem kollektiven Versagen. Umso mehr gilt es, jetzt zu handeln. Europa muss sich seiner Menschenrechtsbilanz im weltweiten Vergleich nicht schämen. Das sollte ja muss uns Mahnung und Auftrag zugleich sein.
 Solidarisch sein mit Griechenland heisst, ohne Zögern die Verteilung der Flüchtlinge auf Europas Festland angehen. Kinder und unbegleitete Minderjährige können nur ein Anfang sein. Jeder Mensch aus Moria ist notleidend und braucht unsere Hilfe. Moria verstösst gegen alle Werte und Gesetze, die sich die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg gesetzt hat: nach Wasser dursten, Hunger leiden gehören nicht zu unserem Kodex der Zivilisation. 
 Diese Abbildungen sind nach dem Feuer von Moria Zeitgeschichte geworden.
Es lohnt es deshalb, an den Alltag der Menschen zu erinnern: Flöhe. Durchfall. Stacheldraht. Wassermangel. Durst. Hunger. Jugendliche, die sich ritzen, aus Verzweiflung. Andere, die Menschen mit dem Messer umbringen um an eine Smart-phone zu kommen, ein wenig Geld. Drogen, Alkohol. Rinnsale voller Fäkalien. Ratten zwischen Menschenbeinen. Angst. Vergewaltigungen. Schreie von Frauen in der Nacht; eine Lageraufsicht, die selten da ist, wenn die Menschen sie brauchen. Alles das und viel mehr war Moria.
Es liegt an uns, der „Schande Europas“ etwas entgegenzusetzen. Am Besten gemeinsam mit den willigen Bürgern von Lesbos, die Besseres verdient haben.