25 Jahre 9/11: Spirale der Hybris
Hier mein Kommentar von heute zu 25 Jahren „9/11“
im Deutschlandfunk und DeutschlandRadio,
Sehr viele ‚lessons learned‘ stehen aus aufgrund der westlichen Hybris,
von Fehleinschätzungen. Umgekehrt ist das dschihadistische Umfeld seit 2001
eher noch gewachsen und nährt sich aus den aktuellen Kriegen.
Das gilt, auf anderem Terrain, auch für populistische Parteien wie die AfD, die ohne die Folgen
des „war on terror“ weniger Profit schlagen könnte,
Unten der ganze ungekürzte Text
https://www.deutschlandfunk.de/kommentar-zu-afd-waehlern-in-sachsen-anhalt-rechtsextreme-einstellungen-benennen-100.html
Here is my Op-ed from today on 25 years of ‘9/11’ or ‚war on terror‘
on Deutschlandfunk and DeutschlandRadio
https://www.deutschlandfunk.de/kommentar-zu-afd-waehlern-in-sachsen-anhalt-rechtsextreme-einstellungen-benennen-100.html
There are a great many lessons to be learn’ as a result of Western hubris
and misjudgements. Conversely, the jihadist movement has, since 2001,
tended to grow even further and is fuelled by the current wars.
This also applies, on other grounds, to populist parties such as the AfD, which would be less able to capitalise
on the consequences of the ‘war on terror’ otherwise,
Kommentart DLF 9/11/2026:
Der „War on Terror“, wie er 2001 von den USA etikettiert wurde, wollte anfangs eines: Die Welt sicherer machen. Das Gegenteil ist eingetreten. In Afghanistan sind die Taliban erneut an der Macht, wofür die erste Trump-Regierung mitverantwortlich ist. Denn sie hat mit ihnen2020 einen US-Abzug ausverhandelt und die Fundamentalisten so hoffähig gemacht, ja ihnen de facto das Land am Ende widerstandslos übergeben. Im aktuellen Iran-Krieg bestimmt ebenfalls geprägte Hybris die US-Politik. Und verdüstert sich die Lage für die Menschen im Iran und weltweit. 25 Jahre falsch verstandener Stärke Washingtons in der Welt.
Die zweite Negativspirale, die von 9/11 ausgeht, ist gesellschaftlich: nach den Anschlägen zielte der Hass aus Politik und Öffentlichkeit vor allem auf muslimische Menschen. Pauschale Vorurteile, Verdacht und Hass gehören seitdem zu einer Kultur des Misstrauens, gegen jene, die Kopftuch tragen, eine andere Hautfarbe haben oder Opfer von racial profiling sind… Parteien wie die AfD haben sich Narrativ und Stimmung zunutze gemacht.Wichtig ist deshalb: Verbal abrüsten. Bessere Bildung anbieten wenn es um den unbekannten Nachbar geht. Integration ist keine Einbahnstrasse.
Afghanistan 2001 war der erste große Drohnen-Krieg, möglich gemacht durch US-Tech-Giganten und ihre Ambitionen. „9/11“ steht seitdem immer mehr für den Kontrollverlust unserer Demokratien: Kriege wie in Afghanistan, jetzt in Nahost, und anderswo haben Digitale-Monopole geboren, die oft frei von staatlicher Kontrolle operieren und unumwunden erklären, unsere Demokratien zerstören zu wollen. Eine Ermächtigung auf Jahrzehnte hinaus für ganze Rüstungsindustrien zudem.
Wußten unsere Politikern , was sie taten, als wir vor 25 Jahren in Afghanistanintervenierten mit nation building im Gepäck? Welche Mechanismen gab und gibt es, um (vermeintliche Terror-Bekämpfung) und ein auf Lügen basiertes Losschlagen im Irak 2003 und nun gegen Iran zu verhindern? Wenn viel beschworene Checks and Balances nicht helfen oder das Grundgesetz – wer oder was tut es dann?
Der Abzug der NATO aus Afghanistan 2021 hat zudem Vladimir Putin bestärkt, militärisch gegen die Ukraine loszuschlagen. Die erste und einzige NATO-Intervention nach Bündnis-Artikel 5 endete so im Desaster. Der Ukraine-Krieg jetzt lässt die NATO in neuem Licht erscheinen. Gut so. Außerhalb von Europa aber haben Deutschland und EU-Länder etwa in Mali die Fehler aus Afghanistan wiederholt: die Dschihadisten dort sind nicht verdrängt, sondern auf dem Vormarsch.
Der Krieg gegen den Iran, die ungelöste Palästina-Frage, der Krieg in Gaza, im Westjordanland und im Libanon liefern Fundamentalisten aller Art weltweit immer neue Bilder, um den „war on terror“ mit neuen Erzählungen zu versehen. Ein rasches Ende ist dabei nicht in Sicht. Hoffnung liegt für Deutschland und Europa dabei in der Rückbesinnung auf gemeinsame Stärken und unbedingte Kooperation, ohne die die EU zu einem Appendix größerer Mächte zu werden droht.